(German) Educational Challenges in Switzerland

Bildungspolitische Herausforderungen in der Schweiz

Verfasst von Faical Al Azib

Übersetzt von Anis Mami

 

A- Hintergrund des Schweizer Bildungssystems

Dieser Artikel befasst sich mit den Sta rken, Schwa chen und Herausforderungen des Schweizer Bildungssystems. Er geht dabei wie folgt vor: Es wird ein Ü berblick u ber die Struktur und den institutionellen Aufbau des Systems gegeben, dann wird es anhand der Empfehlungen des OHCHR und der OECD-Indikatoren fu r die Schweiz analysiert. Fu r das Gesamtversta ndnis und die Lesbarkeit des Papiers ist es wichtig, einen Fahrplan zu erstellen.

Die Schweiz ist ein fo derales und mehrsprachiges Land mit einem dezentralisierten Bildungssystem. Die 26 Kantone (Bundesla nder) sind fu r die Entwicklung des Bildungswesens in ihrem jeweiligen Gebiet verantwortlich. Wa hrend die Kantone fu r die obligatorische Bildung zusta ndig sind, unterstu tzt der Bund die Kantone auch bei der Fo rderung der nachobligatorischen Bildung (allgemeinbildende Schulen, Berufsbildung, Hochschulen). Das Prinzip der Dezentralisierung bedeutet, dass die Kantone und ihre Gemeinden 90 % der o ffentlichen Ausgaben fu r die Bildung finanzieren.

Bund und Kantone sind gemeinsam verpflichtet, ein hohes Niveau an Qualita t und Zuga nglichkeit im

Bildungssystem zu gewa hrleisten. Üm dieser Verpflichtung nachzukommen, hat die Schweiz ein komplexes Monitoringsystem eingefu hrt, das die wichtigsten Herausforderungen identifiziert und die Fortschritte und die Erreichung der politischen Ziele evaluiert. Der Schweizerische Bildungsbericht, der alle vier Jahre vero ffentlicht wird, ist ein Ergebnis dieses Monitoringprozesses.

In der obligatorischen Schule besuchen 95% aller Schu lerinnen und Schu ler die o ffentliche Schule in ihrer

Wohngemeinde. In der obligatorischen Schule gibt es keine freie Schulwahl; die Einschulung ha ngt vom Wohnort der Familie ab. Der Besuch aller o ffentlichen Pflichtschulen ist unentgeltlich. In vielen Gebieten sind die o ffentlichen Schulen ein wichtiges Instrument zur Fo rderung der sozialen Integration der Schu ler in einem bestimmten Gebiet. Das bedeutet, dass Kinder mit unterschiedlichem sozialen, sprachlichen und kulturellen Hintergrund dieselbe Schule besuchen.

Jeder Kanton verwaltet seinen eigenen Lehrplan, einschließlich bestimmter institutioneller und struktureller Elemente wie wo chentliche Ünterrichtszeiten pro Fach und pro Klasse. Es gibt keinen nationalen Lehrplan. Die Bundesverfassung verpflichtet die Kantone jedoch, ihre Bildungssysteme in Bezug auf Struktur und Ziele zu koordinieren und zu harmonisieren. Die Kantone haben deshalb sprachregionale Lehrpla ne fu r die obligatorische Schule entwickelt, die derzeit eingefu hrt werden. Je nach Sprachregion ist die Ünterrichtssprache Deutsch, Franzo sisch, Italienisch oder Ra toromanisch. Das

Sprachenlernen hat in der Schweiz traditionell einen hohen Stellenwert. Wa hrend der obligatorischen Schulzeit lernen die Schu lerinnen und Schu ler neben Englisch eine zweite Amtssprache der Schweiz.

Die Schweiz verfu gt u ber ein starkes Berufsbildungssystem (VET). Es bietet vor allem duale

Berufsbildungsga nge auf der Sekundarstufe II – die eine Lehre mit ein oder zwei Tagen

Berufsschulunterricht kombinieren – und breite Berufsbildungsga nge auf der Tertia rstufe.

Die meisten Jugendlichen treten nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit in eine Berufsbildung ein. Damit erhalten sie eine solide Grundlage und praktische Erfahrung in den meisten Berufen (es stehen rund 230 Berufe zur Auswahl). Etwa ein Drittel der Pflichtschulabsolventen entscheidet sich fu r eine weiterfu hrende Schule oder eine Matura, die sie auf eine ho here Ausbildung vorbereitet.

B- OHCHR Menschenrechtsmechanismen/ Schweiz

UPR

Die Organisation der Vereinten Nationen fu r Erziehung, Wissenschaft und Kultur (ÜNESCO) hat festgestellt, dass in der Schweiz mehrere Maßnahmen zur Sta rkung des Rechts auf Bildung ergriffen wurden. Dennoch stellte sie fest, dass Asylsuchende und Kinder ohne Papiere immer noch Probleme haben, Zugang zu einer weiterfu hrenden Schule zu erhalten. Die ÜNESCO empfahl der Schweiz, die o ffentliche Politik zu versta rken, um sicherzustellen, dass Kinder ausla ndischer Herkunft die bestmo gliche Qualita t der Bildung genießen und dass Kinder ohne Papiere und Asylbewerber Zugang zu Bildung haben, insbesondere auf der Sekundarstufe. Der Ausschuss fu r die Rechte des Kindes hat a hnliche Empfehlungen ausgesprochen. Der Ausschuss fu r die Beseitigung der Diskriminierung der Frau empfahl der Schweiz, die

Diversifizierung der Bildung fu r alle Geschlechter zu fo rdern und die Lehrmittel auf kantonaler und kommunaler Ebene zu u berarbeiten, um die Geschlechterperspektive in den Lehrmitteln sicherzustellen. Sie riet der Schweiz auch, neue Strategien zu entwickeln, um diskriminierende Stereotypen und strukturelle Barrieren zu beka mpfen, die Ma dchen daran hindern ko nnten, die Sekundarstufe zu u berschreiten und sich in traditionell von Ma nnern dominierten Studienfa chern einzuschreiben.

C – Bildung auf einen Blick 2021: OECD-Indikatoren

Chancengleichheit für Schüler*innen aus unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen

Das Programme for International Student Assessment (PISA) ist ein Index, der den Bildungsstand und die

Leistungen von Schu ler*innen aus unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen

Verha ltnissen (ESCS – Economic, Social and Cultural Status) misst. Im Jahr 2018 lag der Anteil der Kinder aus dem untersten Viertel des ESCS, die mindestens das PISA-Level 2 im Lesen erreichten, um 32 % niedriger als bei Kindern aus dem obersten Viertel. Diese Bildungslu cke ist gro ßer als der OECDDurchschnitt, der bei 29 % liegt.

Erhebliche Ünterschiede in den Bildungsergebnissen ko nnen zu wachsender Einkommensungleichheit fu hren. In der Schweiz verdienten im Jahr 2019 30 % der Erwachsenen im Alter von 25 bis 64 Jahren mit keinem oder nur unterem Sekundarschulabschluss ho chstens die Ha lfte des Medianeinkommens. Dies ist ein ho herer Anteil als der OECD-Durchschnitt von 27 %.

 

Geschlechterungleichheiten in der Bildung

In nahezu allen OECD-La ndern und auf allen Bildungsstufen verdienen Frauen im Alter von 25 bis 64

Jahren weniger als ihre ma nnlichen Kollegen; im Durchschnitt entsprechen ihre Einkommen 76–78 % des Einkommens von Ma nnern mit vergleichbarem Bildungsstand. Dieser Ünterschied variiert innerhalb eines Landes sta rker je nach Bildungsniveau als zwischen den La ndern der OECD.

Verglichen mit anderen Bildungsstufen verdienen Frauen in der Schweiz mit unterem

Sekundarschulabschluss am wenigsten im Vergleich zu Ma nnern mit gleichem Abschluss – diese Frauen verdienen nur 77 % des Einkommens ihrer ma nnlichen Kollegen. Frauen mit oberem Sekundarabschluss oder einem nicht-tertia ren postsekunda ren Abschluss verdienen 84 % des entsprechenden Ma nnereinkommens.

Bildung und Migrationshintergrund

Im Durchschnitt der OECD-La nder sind 57 % der einheimischen Erwachsenen ohne oberen

Sekundarschulabschluss erwerbsta tig, verglichen mit 61 % der im Ausland geborenen Erwachsenen. In der Schweiz lag die Erwerbsta tigenquote ausla ndischer Erwachsener ohne oberen

Sekundarschulabschluss im Jahr 2020 bei 71 %, ho her als bei einheimischen Erwachsenen (65 %).

Bei Erwachsenen mit tertia rem Bildungsabschluss sind 92 % der Einheimischen und 84 % der im Ausland Geborenen erwerbsta tig. Erwachsene mit Migrationshintergrund, die in jungen Jahren in das Land gekommen sind, haben oft mehrere Jahre im Bildungssystem des Gastlandes verbracht und national anerkannte Qualifikationen erworben. Ihre Arbeitsmarktergebnisse sind daher in der Regel besser als bei jenen, die erst spa ter mit einem ausla ndischen Abschluss ins Land gekommen sind. In der Schweiz sind 90 % der ausla ndischen Erwachsenen mit tertia rem Abschluss, die vor dem 15. Lebensjahr eingereist sind, erwerbsta tig, verglichen mit 83 % derjenigen, die mit 16 Jahren oder spa ter eingereist sind.

Fazit:

Zusammenfassend la sst sich sagen, dass die Schweizer Regierung ihre o ffentlichen Politiken versta rken sollte, um sicherzustellen, dass Kinder mit Migrationshintergrund bestmo glichen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung erhalten, insbesondere asylsuchende Kinder und Kinder ohne Papiere, vor allem im Sekundarbereich. Zudem sind Programme und Sensibilisierungsmaßnahmen gegen Gewalt, Missbrauch und Mobbing in Schulen zu fo rdern.

Daru ber hinaus sollte die Schweiz die Vielfalt der Bildungswege fu r Ma dchen und Jungen weiter fo rdern,

Lehrmaterialien auf Kantonsebene u berarbeiten und sicherstellen, dass geschlechtersensible Lernmaterialien in allen Kantonen und Gemeinschaften verfu gbar sind.

 

Quellen:

 

 

Herausforderungen im deutschen Bildungssystem

Deutschland genießt aufgrund seines gut strukturierten und anspruchsvollen Bildungssystems den Ruf, besonders hohe akademische Standards zu haben. Schüler*innen werden auf jeder Stufe ihrer Ausbildung streng bewertet – wer in zwei oder mehr Fächern die Mindestanforderungen nicht erfüllt, muss das gesamte Schuljahr wiederholen, um sicherzustellen, dass die Voraussetzungen für den Aufstieg in die nächste Klassenstufe erfüllt sind. 

Das deutsche Bildungssystem zeichnet sich aus durch hohe Arbeitsplatzsicherheit, kostenlose qualifizierte Lehrkräfte, niedrige Jugendarbeitslosigkeit, an den Lernstilen der Kinder orientierten Unterricht sowie eine positive Einstellung zur handwerklichen Arbeit. Dennoch bestehen weiterhin erhebliche Probleme im Bildungssystem. 

 

Struktur des Schulsystems 

Deutschland verfügt über ein dreigliedriges Sekundarschulsystem, das Schüler*innen nach der Grundschule nach ihren Fähigkeiten aufteilt. Diese Einteilung bestimmt maßgeblich, ob ein Schüler später Zugang zur Hochschulbildung erhält oder nicht. Das System beginnt mit dem sogenannten „Tracking“ bereits ab der 4. Klasse – ein Zeitpunkt, den viele Kritiker als deutlich zu früh betrachten. 

Mit Ausnahme von Bayern haben die meisten Bundesländer das traditionelle Drei-Säulen-Modell – Gymnasium, Realschule, Hauptschule – aufgegeben. An deren Stelle treten nun integrierte Schulen (alle drei Bildungsgänge kombiniert), teilintegrierte Schulen (z. B. Kombination aus Haupt- und Realschule) und kooperative Modelle (getrennte Bildungsgänge mit gemeinsamer Schule, zumeist ab Klasse 6). 

Das duale System trennt Schüler*innen in jene, die als geeignet für ein Hochschulstudium gelten, und jene, die nach zehn Schuljahren in die berufliche Bildung geleitet werden. Dies führt zu sozialen Ungleichheiten. Viele Jugendliche verlassen das Schulsystem vorzeitig und landen in Maßnahmen zur Berufsvorbereitung anstatt in vollwertiger Ausbildung. Unterschiede in den Lern- und Benotungstechniken der Schüler sowie unterschiedliche Empfehlungen ihrer Grundschullehrer tragen zu den pädagogischen Herausforderungen in Deutschland bei. 

Die Wahl der weiterführenden Schule hat erhebliche Auswirkungen auf den späteren beruflichen Werdegang. Gymnasien bereiten auf das Abitur und ein Studium vor, Realschulen auf technische Berufe oder Ausbildungen mit Zugang zum Gymnasium, während Hauptschulen oft als Bildungsgang für Schüler*innen mit schwächeren Leistungen oder sozialen/Verhaltensproblemen gelten. Das Bildungssystem wird von den einzelnen Bundesländern gestaltet, was zu deutlichen Unterschieden in der Bildungsqualität führt. 

 

Sozioökonomischer Hintergrund 

In Deutschland ist der Schulerfolg eng mit dem familiären Hintergrund verknüpft – insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund sind von strukturellen Ungleichheiten betroffen. Seit Jahrzehnten zeigen Studien, dass Kinder aus sozioökonomisch privilegierten Haushalten regelmäßig bessere Bildungsergebnisse erzielen als Gleichaltrige mit vergleichbarer kognitiver Leistungsfähigkeit. 

Diese Kinder erhalten häufiger Empfehlungen für höhere Schulformen und gelangen öfter an Universitäten. Das Bildungssystem steht daher vor der Herausforderung, Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. 

Eine UNICEF-Studie aus dem Jahr 2018 verglich die Bildungsgerechtigkeit in 41 Industrienationen. Deutschland rangierte im Mittelfeld, vor den USA und Australien, jedoch hinter kleineren Volkswirtschaften wie Litauen, Dänemark und dem Spitzenreiter Lettland. 

Kinder aus Migrantenfamilien und einkommensschwachen Haushalten haben in der Regel schlechtere Bildungschancen – besonders im ländlichen Raum, der gegenüber den Städten im Nachteil ist. Kinder aus höheren sozialen Schichten schneiden in der Schule deutlich besser ab, selbst bei gleicher Intelligenz. Sie erhalten häufiger Empfehlungen für das Gymnasium und besuchen später eher Universitäten. 

Kinder aus türkischen, kurdischen oder arabischen Familien, die in Deutschland selbst in zweiter oder dritter Generation oft noch als „Migrantenkinder“ gelten, sind überproportional häufig an Hauptschulen vertreten, was sie einem Teufelskreis der Ausgrenzung aussetzt. 

Migrantinnenkinder besuchen doppelt so häufig Hauptschulen wie Kinder mit vergleichbarem sozioökonomischem Hintergrund ohne Migrationsgeschichte. Trotz einiger Fortschritte bleiben sie an Gymnasien unterrepräsentiert. Insgesamt gelingt es dem deutschen Bildungssystem nur unzureichend, Schülerinnen aus benachteiligten oder religiösen/ethnischen Minderheiten beim sozialen Aufstieg zu unterstützen. 

 

Diskriminierung und Segregation 

In einigen Berliner Grund- und Sekundarschulen werden Migrantenkinder von ihren deutschstämmigen Mitschüler*innen in gesonderte Klassen unterrichtet – offiziell aufgrund angeblich unzureichender Deutschkenntnisse. Dabei sind ihre Sprachfähigkeiten meist ausreichend für den Regelunterricht. Die Trennung wirkt jedoch als Ersatzkriterium für ethnische Diskriminierung. 

Die Bildung in diesen segregierten Klassen ist oft mangelhaft, verglichen mit dem Regelunterricht. Diese Praxis führt zu Stigmatisierung, verhindert Integration, verstößt gegen Artikel 26 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR) in Verbindung mit Artikel 2 und stellt eine Form der Diskriminierung dar. 

 

Fazit 

Das deutsche Bildungssystem ist geprägt von einem leistungsorientierten, differenzierten Ansatz – doch dieser verstärkt in vielen Fällen soziale Ungleichheiten. Frühe Selektion, föderale Unterschiede, soziale Herkunft und strukturelle Diskriminierung erschweren den Zugang zu Bildung, insbesondere für Kinder aus benachteiligten Familien und Migrant*innen. Die Herausforderungen reichen von ungleicher Leistungsbewertung bis hin zu systemischer Segregation. 

Um echte Bildungsgerechtigkeit zu erreichen, braucht es umfassende Reformen und eine kritische Auseinandersetzung mit den impliziten Ausschlussmechanismen des bestehenden Systems. 

 

Quellen: 

https://www.justiceinitiative.org/voices/hard-look-discrimination-education-germany 

https://www.euractiv.com/section/non-discrimination/news/experts-criticise-inequality-in-german-schools/ 

https://tbinternet.ohchr.org/Treaties/CCPR/Shared%20Documents/DEU/INT_CCPR_NGO_DEU_14668_E.pdf 

https://www.oecd.org/education/policy-outlook/country-profile-Germany-2020.pdf 

https://www.deutschland.de/en/topic/knowledge/educational-equity-in-germany-current-challenges 

Image from https://community.rewire.to/group-of-school-kids-and-teacher-in-classroom/  

 

Pressemitteilung – Die stille Krise angehen: Broken Chalk fordert die Anerkennung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und deren Auswirkungen auf Bildung

25. November 2023 Übersetzt von Laura Dieterle

In einer Welt, in der nach wie vor eine in drei Frauen körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren hat, in der im Durchschnitt fünf Frauen pro Stunde von Familienmitgliedern getötet werden und in der sexuelle Belästigung alarmierend weit verbreitet ist, ist es für die Weltgemeinschaft von größter Bedeutung, akute Maßnahmen zu ergreifen. Broken Chalk ist sich der dringenden Notwendigkeit bewusst, das allgegenwärtige Problem der geschlechtsspezifischen Gewalt anzugehen, welches sich auch im Bildungskontext widerspiegelt. In Schulen sind sexuelle Belästigung und Mobbing eine weit verbreitete Realität; Mädchen werden durch Kinderheirat und Gewalt in ihrem eigenen Zuhause sowie auf dem Schulweg an der Fortsetzung ihrer Ausbildung gehindert.

Verschärft durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, des Klimawandels, der Wirtschaftskrisen und der politischen Instabilität, wirkt sich diese Gewalt unmittelbar auf die Bildung aus und behindert Mädchen bei der Wahrnehmung ihrer Menschenrechte. Außerdem hält die Gefahr von Gewalt Eltern davon ab Mädchen zur Schule zu schicken, insbesondere in Konfliktsituationen, aus Angst vor potenziellen Übergriffen und Entführungen auf dem Schulweg. Zusätzlich führen Studien zufolge Erfahrungen von Missbrauch deutlich häufiger zu Schulabbrüchen und Lernschwierigkeiten. Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Geschlechtergleichstellung und die Stärkung der Rolle der kommenden Frauengenerationen dar.

Vor diesem Hintergrund ist es erschreckend zu sehen, dass nur 0,2 % der weltweiten öffentlichen Entwicklungshilfen für die Prävention geschlechtsspezifischer Gewalt verwendet werden. Broken Chalk betont daher, dass die Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen tiefgreifend sind und über körperliche Schäden hinausgehen. Sie beeinträchtigen die Grundlagen der Gesellschaft und behindern Gleichheit, Entwicklung und Frieden der Menschen.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen verursacht gravierende Folgen für die Gesellschaft im Allgemeinen und für die Bildung von Mädchen im Besonderen, weshalb ihr anhaltend Priorität zugeschrieben werden muss. Zum einen hat das Erfahren von Gewalt in der Partnerschaft oder häuslicher Gewalt nachweislich negative Auswirkungen auf die schulischen Leistungen und das Verhalten von Kindern. Besonders ein geringerer Wortschatz und eingeschränkte Rechenfähigkeiten im Alter von 5 bis 8 Jahren können damit in Zusammenhang gebracht werden, so UNICEF. Des Weiteren ist Gewalt gegen Frauen ein ausschlaggebender Faktor, der Mädchen den Zugang zu Bildung verwehrt: Weltweit gehen 129 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Persönliche Unsicherheit in der Schule oder soziale Stigmatisierung und Scham bestehen als Folgen nach Erfahrungen von sexueller Gewalt. Auch für Mädchen und Frauen, die psychische Gewalt erfahren, kann dies einen Grund darstellen nicht weiter die Schule zu besuchen.

Broken Chalk deutet ebenfalls darauf hin, dass Belästigung eine weit verbreitete Form der Gewalt gegen Frauen ist. In der Europäischen Union haben 45 bis 55 % der Frauen seit ihrem 15. Lebensjahr sexuelle Belästigung erlebt. In England und Wales ergab eine Untersuchung im Jahr 2021, dass 92 % der Schülerinnen bestätigten, von ihren Mitschülern sexistisch beschimpft zu werden, und 61 % der Schülerinnen berichteten, dass sie in der Schule von Gleichaltrigen sexuell belästigt wurden. Die potenzielle Gefahr, in der Schule oder auf dem Schulweg belästigt zu werden, könnte Mädchen davon abhalten, zur Schule zu gehen. Um dem entgegenzuwirken, haben mehrere Länder, wie Ghana und Indien, Pilotprogramme eingeleitet, bei denen Mädchen Fahrräder zur Verfügung gestellt werden, um einen sichereren Schulweg zu gewährleisten.

Obwohl bereits wichtige Schritte im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen erreicht werden konnte, zeigen die oben genannten Fakten, dass noch viel mehr getan werden muss. Broken Chalk unterstreicht dabei, dass Bildung für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen von entscheidender Bedeutung ist. Viele Studien zeigen, dass Kinder gerade im schulischen Umfeld mit Gewalt konfrontiert werden. Daher ist Bildung und Kultur ein wichtiges Mittel, um junge Menschen zu einem gewaltfreien und respektvollen Umgang mit Mädchen und Frauen zu beeinflussen. Darüber hinaus kann Bildung auch genutzt werden, um ein besseres Bewusstsein für Gewalt bei den Opfern zu schaffen. Gewalt gegen Frauen wird weltweit so normalisiert, dass viele Opfer die Verletzung ihrer Rechte nicht einmal wahrnehmen. Weniger als 40 % der Frauen die Gewalt erleben ersuchen Hilfe, oder erheben eine Anzeige, um Gerechtigkeit zu erfahren.

Aus diesem Grund beteiligt sich Broken Chalk an den 16 Tagen des Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Die jährliche internationalen Kampagne beginnt am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, und endet  am Tag der Menschenrechte, am 10. Dezember. Das diesjährige Motto der Kampagne lautet “UNITE! Investieren, um Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu verhindern”. Broken Chalk schließt sich der Bewegung an und fordert sofortige Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Dabei legt Broken Chalk einen besonderen Schwerpunkt auf Bildung. Darüber hinaus ruft Broken Chalk dazu auf, eine intersektionelle Perspektive bei der Arbeit zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen einzunehmen. Die soll insbesondere ein Bewusstsein für zusätzlichen Schwierigkeiten, denen besonders POC-Frauen und LGTBQ+-Frauen sowohl in ihrer Ausbildung als auch in ihrem täglichen Leben ausgesetzt sind, schaffen.

Broken Chalk teilt dies der Öffentlichkeit in gebührendem Respekt mit.

Gezeichnet,

Broken Chalk

Pressemitteilung: Barrieren durchbrechen. Aufruf von Broken Chalk zum sofortigen Waffenstillstand und zur Selbstbestimmung am diesjährigen Internationalen Tag der Solidarität mit den Menschen in Palästina

An diesem historischen 29. November, dem 76. Jahrestag des UN-Teilungsplans in Palästina, muss die Welt sich mit dem palästinensischen Volk solidarisieren und sein grundlegendes Recht auf Widerstand gegen die Besatzung und auf Selbstbestimmung anerkennen. An diesem erschütternden Internationalen Tag der Solidarität mit den Menschen aus Palästina erhebt Broken Chalk nicht nur seine Stimme, sondern setzt sich besonders für die Vereinigung des palästinensischen Volkes in einem souveränen Gebiet und für eine harmonische Lösung des seit 75 Jahren andauernden israelisch-palästinensischen Konflikts ein. Heute im Jahr 1947 verabschiedeten die UN den Teilungsplan, der die Vision eines jüdischen und eines palästinensischen Staates mit Jerusalem als internationaler Zone, “corpus separatum”, entwarf. Dieser historische Beschluss legte den Grundstein für eine Zwei-Staaten-Lösung, die auf den Grundsätzen der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung gemäß Artikel 1 (2) der UN-Charta beruht.1

Angesichts der jüngsten Ereignisse schließt sich Broken Chalk der Aussage von UN-Generalsekretär Antonio Guterres an. Guterres betonte, dass die Angriffe der Hamas vom 7. Oktober “nicht in einem Vakuum stattgefunden haben”, sondern mit dem 75-jährigen Kampf um Selbstbestimmung und dem Widerstand gegen die israelische Besatzung verwoben sind..2 Seit dem jüngsten Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 wurden im Gazastreifen über 12.000 Zivilisten getötet, darunter mehr als 5000 Kinder.3 Der Gazastreifen ist zu einem Kinderfriedhof geworden”, so UN-Generalsekretär Guterres4

Broken Chalk sieht besondere Relevanz in der Förderung des politischen Dialogs zwischen den beiden Parteien, um eine dauerhafte Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt zu finden. Wir sehen die Dringlichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung, und sind überzeugt, dass der Weg zu echter Selbstbestimmung für Palästinenser von seinen Grundsätzen aufgerollt werden muss. Nur durch vollständige Unabhängigkeit ist es der palästinensischen Zivilgesellschafft möglich, einen eigenen Staat, frei von äußerlichen Zwängen durch Israel oder die internationale Gemeinschaft, aufzubauen und zu entwickeln.

An diesem Tag, dem 29. November, ist es unerlässlich, weiter die Dringlichkeit einer Zweistaatenlösung in den Vordergrund zu stellen, wie auch ein Umfeld zu fördern, das sowohl Palästinensern als auch Israelis Unabhängigkeit und Souveränität zuspricht. Eine Wiedervereinigung der im Westjordanland und im Gazastreifen lebenden Palästinenser muss als dauerhafte Lösung im Rahmen der politischen Verpflichtungen Israels und des kollektiven Bewusstseins der internationalen Gemeinschaft anerkannt werden. Die bestehende Spaltung der Palästinenser in diesen beiden Gebieten behindert die Verwirklichung des palästinensischen Selbstbestimmungsrechts. Außerdem bestehen weiterhin Probleme mit illegalen Siedlungen im Westjordanland und der offensichtlich stagnierenden internationalen Autorität Palästinas (PA).

Broken Chalk erkennt das legitime Recht Israels an, sich gegen eine terroristische Organisation zu verteidigen, die sich die Zerschlagung des jüdischen Staates auf die Fahnen geschrieben hat. Allerdings unterstreicht Broken Chalk gleichzeitig die Wichtigkeit der Einhaltung des Völkerrecht, wobei der Schwerpunkt auf der Wahrung der Verhältnismäßigkeit bei der Reaktion auf Sicherheitsbedrohungen liegt5 Bei der Verurteilung des verwerflichen Angriffs der Hamas, ist es von entscheidender Bedeutung, die Diskrepanz in Israels Vorgehen hervorzuheben. Die Palästinenser im Gazastreifen erleben eine kollektive Bestrafung für die Aktionen der Hamas, was Fragen nach der Verhältnismäßigkeit der israelischen Reaktion aufwirft. Die von den israelischen Streitkräften angewandten Methoden scheinen nicht mit den angestrebten Zielen übereinzustimmen. Dies wird besonders durch das alarmierende Ungleichgewicht zwischen den Opferzahlen deutlich – für jeden verlorenen israelischen Zivilisten, starben in Verhältnis 10 Palästinenser.6 In diesem komplexen Umfeld setzt sich Broken Chalk für ein maßvolles und verhältnismäßiges Vorgehen ein, das die Grundsätze des Völkerrechts respektiert und die Rechte und das Leben aller von dem Konflikt Betroffenen schützt.

Die jüngsten Angriffe haben den Aussichten auf eine Zwei-Staaten-Lösung einen schweren Schlag versetzt. Berichten zufolge droht den Palästinensern im Gazastreifen inmitten der laufenden Verhandlungen die Vertreibung in den ägyptischen Sinai.7 Es ist von entscheidender Bedeutung, die Herausforderungen, mit denen der Gazastreifen konfrontiert ist, öffentlich zu machen. Dabei behindern Einschränkungen der territorialen, wirtschaftlichen- und Grenzkontrolle die Auslebung der Autonomie. Broken Chalk verurteilt die gemeldete Umsiedlung von Palästinensern in den südlichen Gazastreifen und fordert alle beteiligten Parteien aus, der Wahrung der Menschenrechte und des Völkerrechts Vorrang einzuräumen.8

Im Einklang mit der Mission von Broken Chalk, Bildung allgemein zugänglich zu machen, verurteilen wir den katastrophalen Angriff auf die al-Fakhoora-Schule, die vom UNRWA betrieben wird, stark. 9 Der Angriff auf Bildungseinrichtungen untergräbt das Grundrecht auf Bildung für alle und beeinträchtigt die Aussichten auf eine bessere Zukunft für die Palästinenser. Kinder sind die Zukunft unserer Welt und die internationale Gemeinschaft muss alles Notwendige tun, um Angriffe auf Flüchtlingslager und Schulen zu verhindern und den weiteren Verlust von Menschenleben unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zu stoppen. Wir rufen dazu auf, gemeinsam mit anderen NGOs eine Spendenkampagne als Soforthilfe für die Betroffenen in Gaza zu starten.

Während wir an diesem bedeutenden Tag in Solidarität mit den Palästinensern zusammenstehen, ruft Broken Chalk die internationale Gemeinschaft auf, ihr Engagement für eine gerechte und dauerhafte Lösung zu erneuern, die die Rechte und Bestrebungen sowohl der Palästinenser als auch der Israelis respektiert. Wir fordern einen sofortigen Waffenstillstand und eine Überarbeitung des UN-Teilungsplans, in dem beide Seiten das Recht auf Selbstbestimmung anerkennen.

Broken Chalk teilt dies mit gebührendem Respekt mit.

Gezeichnet,

Broken Chalk

Übersetzt von Luzi Maj Leonhardt aus dem Originalbeitrag auf Englisch


References

1 https://www.un.org/securitycouncil/content/purposes-and-principles-un-chapter-i-un-charter#rel1

2 https://www.politico.eu/article/israel-united-nations-antonio-guterres-hamas-attack-vacuum-comments/

3 https://www.aljazeera.com/news/2023/11/18/israeli-air-strikes-kill-28-palestinians-in-southern-gaza#:~:text=Since October 7, more than,to about 2.3 million people.

4 https://www.dci-palestine.org/4237_palestinian_children_killed_as_gaza_becomes_graveyard_for_children

5 https://guide-humanitarian-law.org/content/article/3/proportionality/

6 https://www.youtube.com/watch?v=9jsJYHuGPms

7 https://www.timesofisrael.com/intelligence-ministry-concept-paper-proposes-transferring-gazans-to-egypts-sinai/

8 https://edition.cnn.com/2023/11/08/world/palestinians-fleeing-south-gaza-city-unbearable-situation/index.html

9 https://www.wionews.com/world/at-least-50-killed-in-israeli-airstrikes-on-al-fakhoora-school-in-gazas-jabalia-refugee-camp-660179

“DIE BÖSARTIGE ABSCHAFFUNG DER FRAUENRECHTE IN AFGHANISTAN DURCH DIE TALIBAN”

by Leticia Cox

Taliban bedeutet Unterdrückung der Frauen. Taliban bedeutet, die Qualitäten, den Platz und die Rolle der Frau in der Gesellschaft herabzusetzen. Taliban bedeutet, dass es für Frauen keine Bildung oder Arbeit außer Hausarbeit und Kinderkriegen gibt. Taliban bedeutet, dass den Frauen die grundlegenden Menschenrechte vorenthalten werden, dass sie in Angst und ohne Würde leben.

Die meisten Afghanen, darunter auch einige Taliban, lehnen den Ausschluss von Frauen und Mädchen aus dem Bildungssystem ab und sind ernsthaft besorgt über die Folgen für das gesamte Land.

Nach der Ankündigung der Taliban, weibliche Studenten von der Universität zu verbannen, verließen männliche Studenten aus Protest gegen die Entscheidung der Taliban ihre Prüfungen, und mehrere männliche Professoren kündigten.

Muslimische Länder wie die Türkei, Saudi-Arabien, Pakistan und Katar haben ihr Bedauern über das Universitätsverbot zum Ausdruck gebracht und die Taliban-Behörden aufgefordert, ihre Entscheidung zurückzunehmen.

“Dafür gibt es keine religiöse oder kulturelle Rechtfertigung”, sagte die 26-jährige Husna Jalal, eine Absolventin der Politikwissenschaften aus Kabul.

Jalal floh im August letzten Jahres aus Afghanistan, nachdem die Taliban die Stadt Kabul übernommen hatten. Jalal hat nach ihrem Universitätsabschluss vier Jahre lang in Kabul gearbeitet, aber wie viele berufstätige afghanische Frauen hatte sie vorhergesagt, dass die strenge Scharia bald nach der Übernahme des Landes durch die Taliban eingeführt werden würde.

“Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie meine Schwestern in ihren grundlegenden Menschenrechten verletzt werden. Ich habe gesehen, wie sie durch die Straßen marschierten und Freiheit und Gleichheit forderten, und wie die Sicherheitskräfte der Taliban Gewalt anwandten, um die Gruppe aufzulösen und sie daran zu hindern, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung auszuüben”, sagte Jalal. “Die Menschen weltweit müssen ihre Stimme für meine Schwestern erheben; die Taliban haben uns all unsere Hoffnungen genommen.”

Die Taliban, auch bekannt als Talib, die seit 1996 versuchen, das Warlordentum in Afghanistan durch eine striktere Einhaltung der Scharia zu beenden, übernahmen 2021 als Islamisches Emirat Afghanistan gewaltsam die Kontrolle über Afghanistan.

Seit Jahrzehnten ist die Rolle der Scharia weltweit ein zunehmend umstrittenes Thema. Der Internationale Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat in mehreren Fällen entschieden, dass die Scharia “im Widerspruch zu den Grundprinzipien der Demokratie” steht. Einige traditionelle Praktiken beinhalten schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen, insbesondere für Frauen und deren Recht auf Bildung.

Als die Taliban kamen, schafften sie das Frauenministerium ab. Frauen wurden nach und nach von den Fernsehbildschirmen gestrichen. Zehntausende von Frauen wurden in verschiedenen Branchen arbeitslos. Es war ihnen verboten, ohne Mahram mehr als 72 km zu gehen. Die Frauen werden aus dem gesellschaftlichen Leben herausgezogen. Die ihnen angebotene Gesundheitsversorgung ist begrenzt, ihre Beschäftigungsmöglichkeiten sind eingeschränkt, und ihr Recht auf Bildung wurde ihnen genommen.

Die jüngste Ankündigung der Taliban, Frauen bis auf weiteres von den Universitäten im ganzen Land zu suspendieren, ist ein eklatanter Verstoß gegen ihre in zahlreichen internationalen Verträgen verankerten gleichen Menschenrechte.

“Das erste Gebot des Islam lautet “Lies”. Der Islam fordert sowohl Männer als auch Frauen auf, nach Wissen zu streben. Der Koran wendet sich an Menschen und rät Männern und Frauen, Wissen zu erlangen, die Wahrheit zu finden, ihr eigenes Potenzial zu entdecken und zu entwickeln und vollkommene Menschen zu werden”, sagte Dr. Ali Unsal, Doktor der islamischen Theologie, kürzlich in einem Interview für Broken Chalk.

Dr. Ali Unsal ist ein erfahrener Autor, Forscher, Lehrer und Prediger mit einem fundierten Hintergrund in islamischer Theologie und islamischer Rechtswissenschaft. Dr. Unsal promovierte in islamischer Theologie und erwarb einen Master und einen Bachelor of Divinity an renommierten Theologenschulen in der Türkei. Er hat mehrere Jahre in den USA gelebt, wo er seine akademischen und beruflichen Studien und Erfahrungen durch Seminare, Workshops, Beratungen, Gemeindedienste und akademische Schriften mit muslimischen und nicht-muslimischen Amerikanern vertiefte. Er leitete das Institut für islamische und türkische Studien (IITS) in Fairfax, VA.

Dr. Unsal organisiert Podiumsdiskussionen, Seminare und Diskussionen mit Akademikern aus verschiedenen Ländern. Er spricht fließend Englisch, Türkisch, Arabisch, Bahasa Indonesia und Tatarisch.

Laut Dr. Unsal hat Hz. Muhammad die Bildung und Erziehung von Mädchen gefördert, die im Laufe der Geschichte besonders verachtet und unterbewertet wurden. “In einem seiner Hadithe heißt es beispielsweise: “Wer zwei Mädchen erzieht und diszipliniert, bis sie erwachsen sind, mit dem werden wir am Tag des Jüngsten Gerichts zusammen sein”, erklärt Dr. Unsal.

“Als die Frauen zu ihm kamen und sagten, dass er die Männer in der Moschee ständig unterrichtete und die Botschaft Allahs vermittelte, dass aber die Frauen davon ausgeschlossen waren, gab er ihnen eine besondere Zeit und gab ihnen eine Art Bildung.

Hz. Aisha, die Frau von Muhammad, wurde mit dem, was sie von ihm lernte, zu einer der bedeutendsten Gelehrten ihrer Gesellschaft. Jeder kam zu ihr, um von ihr zu lernen, was ihm fehlte. In der Geschichte des Islam nahmen Frauen einen bedeutenden Platz im wissenschaftlichen und kulturellen Leben ein. Die Fortbildung in einer inoffiziellen Struktur in der islamischen Welt und die Bindung an den Lehrer und nicht an die Schule erleichterten es den Frauen, von Gelehrten aus ihrem Umkreis unterrichtet zu werden. Unter den Meistern von Tâceddin es-Subki, einem der großen islamischen Gelehrten, die Hadithen hörten und lernten, werden 19 Frauen genannt. Suyûtî lernte Hadithe von 33, İbn-i Hacer von 53 und İbn-i Asâkir von 80 Frauen”, so Dr. Unsal.

Am 24. August letzten Jahres forderten die Außenminister der G-7-Staatengruppe – ein zwischenstaatliches politisches Forum – die Taliban auf, das Verbot der Frauenbildung zurückzunehmen, und warnten, dass “die Verfolgung aufgrund des Geschlechts ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen kann, das strafrechtlich verfolgt werden wird”.

Mehrere Medien berichten, dass Taliban-Kräfte seit dem Verbot vor den Universitäten in Kabul stehen und Frauen am Betreten der Gebäude hindern, während sie den Männern erlauben, hineinzugehen und ihre Arbeit zu beenden.

Der Minister für höhere Bildung, Nida Mohammad Nadim, ein ehemaliger Provinzgouverneur, Polizeichef und Militärkommandant, ist strikt gegen die Bildung von Frauen, da sie gegen islamische und afghanische Werte verstoße.

“Meiner Meinung nach hat das nichts mit dem Islam zu tun”, sagte Dr. Unsal. “Weil es den paschtunischen Traditionen völlig widerspricht. Nach dieser Tradition sollte eine Frau nur zu Hause bleiben, ihr Essen kochen, ein Kind zur Welt bringen und nur ausgehen, wenn es notwendig ist. Das hat nichts mit dem Islam zu tun. Denn die Frau des Propheten, Hatice, war eine große Geschäftsfrau. Frauen waren in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens präsent. Auf dem Markt, in der Moschee. Hz. Ömer setzte eine Frau namens Şifa als Inspektorin ein, um den Basar zu beaufsichtigen.”

Minister Nadim erklärte gegenüber den Medien, das Verbot sei aus mehreren Gründen notwendig: um die Vermischung der Geschlechter an den Universitäten zu verhindern, weil die Frauen sich nicht an die Kleiderordnung hielten, weil die Studentinnen in andere Provinzen gingen und ohne ihre Familien lebten und weil das Studium bestimmter Fächer und Kurse gegen die Grundsätze des Islam verstoße. Diese Gründe scheinen die öffentliche Meinung in der Welt nicht zu überzeugen.

Warum schränken die Taliban die Bildung von Frauen ein? Der Islam verweigert Frauen nicht die Bildung, warum also die Taliban?

“Meiner Meinung nach könnte es dafür zwei Gründe geben”, erklärt Dr. Unsal. “Erstens fehlt es ihnen an staatlicher Erfahrung. Sie können die Dynamik der Gesellschaft nicht richtig einschätzen. Sie haben immer noch eine Stammesmentalität. Das bringt sie dazu, sehr falsche Dinge zu tun. Sie können nicht alle Teile der Gesellschaft einbeziehen. Der zweite Grund ist eine Art von Perspektivwechsel oder eine Art von Ignoranz. Sie interpretieren den Islam im Einklang mit ihrer eigenen Stammeskultur. Leider steht dies im Widerspruch zur Universalität des Islam und ist weit davon entfernt, den Bedürfnissen der modernen Zeit zu entsprechen. Deshalb handeln sie mit einer radikalen und marginalen Interpretation.“

Im ganzen Land haben die Taliban Mädchen den Schulbesuch über die sechste Klasse hinaus verboten, Frauen von der Arbeit ausgeschlossen und ihnen befohlen, in der Öffentlichkeit eine Burka oder eine Ganzkörperverschleierung zu tragen. Auch der Zutritt zu Parks und Turnhallen ist Frauen untersagt worden.

“Viele junge Mädchen sind traumatisiert, wenn sie festgehalten werden. Einige Familien berichten in den Nachrichten, dass ihre Tochter ständig weint und nicht getröstet werden kann. Junge Menschen und Familien machen sich Sorgen um ihre Zukunft”, sagte Dr. Unsal.

“Unsere Schwestern und unsere Männer haben die gleichen Rechte; sie werden in der Lage sein, ihre Rechte zu nutzen … natürlich innerhalb des Rahmens, den wir haben”, sagte Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid.

Trotz anfänglicher Versprechen, die Scharia gemäßigter zu handhaben und die Rechte der Frauen zu respektieren, haben die Taliban seit ihrer Machtübernahme im August 2021 ihre Auslegung des islamischen Rechts/der Scharia durchgesetzt, und es gibt immer wieder Hinweise darauf, dass die Taliban die Rechte der Frauen verletzen.

Wie also kann die internationale Gemeinschaft den Frauen in Afghanistan helfen?

“Die EU sollte die Finanzierung der Geschäfte der Taliban einstellen. Kinder aus Taliban-Familien sollten nach Afghanistan zurückgeschickt werden, um dort zu studieren, nicht im Ausland”, sagte Jalal.

“Die internationalen Spender sollten den Einfluss, den sie auf die Taliban haben, erkennen und ausüben, sei es durch diplomatische Sanktionen, Wirtschaftssanktionen, Hilfe, politischen Druck oder andere Mittel. Sie sollten dieses Druckmittel nutzen, um konkrete Verpflichtungen in Bezug auf die Rechte der Frauen einzufordern, die für Frauen und Mädchen von Bedeutung und durch Überwachung messbar sind”, sagte Jalal.

Nach Ansicht von Dr. Unsal könnten Sanktionen internationaler Spender nicht funktionieren. Die Taliban haben einen festen und robusten Charakter. Das Richtige wäre, dass muslimische Gesellschaften wie die Organisation der Islamischen Konferenz oder die Organisation für Islamische Zusammenarbeit oder die Gemeinschaften islamischer Gelehrter in Zusammenarbeit mit Menschenrechtsorganisationen etwas unternehmen, das schnellere Ergebnisse bringt.

“Die Taliban sind beunruhigt über die Kritik der Welt an ihren Entscheidungen für ihre Gesellschaft und über die Forderung, ihre Fehler zu korrigieren. Sie sagen: “Mischt euch nicht in unsere inneren Angelegenheiten ein”.

Einige internationale Universitäten oder Organisationen könnten Ausbildungsmöglichkeiten anbieten und kostenlose Vorlesungen, Kurse und Diplome zur Verfügung stellen.

Außerdem können einige Länder, mit denen die Taliban nicht aus der westlichen, sondern aus der islamischen Welt zusammenarbeiten, durch ihre Gelehrten zur Entspannung beitragen”, schlug Dr. Unsal vor.

“Die Frauen in Afghanistan sind es leid, mit der ausländischen Presse und Organisationen zu sprechen und ihre Geschichten zu erzählen. Sie haben das Gefühl, dass ihnen niemand hilft oder dass sie nicht helfen können”, sagte Jalal.

Bildung ist ein international anerkanntes Menschenrecht, das für das wirtschaftliche Wachstum und die Stabilität Afghanistans unerlässlich ist. Die Taliban sind nach internationalem Recht und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verpflichtet, die Rechte der Frauen uneingeschränkt zu achten. Afghanistan hat das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) im Jahr 2003 ratifiziert.

Die Taliban übernehmen die Verpflichtungen Afghanistans aus dieser Konvention, einschließlich der “Verfolgung einer Politik zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen mit allen geeigneten Mitteln und ohne Verzögerung”.

Frauen brauchen jetzt einen männlichen Vormund, um mehr als 48 Meilen zu reisen oder um grundlegende Aufgaben wie das Betreten von Regierungsgebäuden, Arztbesuche oder Taxifahrten zu erledigen. Sie sind von fast allen Berufen ausgeschlossen, mit Ausnahme der medizinischen Berufe und – bis Mittwoch – der Lehrtätigkeit. Frauen dürfen auch keine öffentlichen Parks mehr besuchen.

Das von den Taliban verhängte Bildungsverbot für Frauen und Mädchen hat die afghanischen Frauen dauerhaft zu einer düsteren Zukunft ohne Chancen verurteilt.

“Die Hälfte der Gesellschaft besteht aus Männern, die andere Hälfte aus Frauen. Deshalb haben Mädchen das gleiche Recht auf Bildung wie Jungen. Es gibt wichtige Rollen, die Frauen in allen Lebensbereichen spielen können. In einigen Bereichen können sie sogar bessere Arbeit leisten als Männer. Diese Entscheidung des afghanischen Bildungsministeriums ist sowohl eine Verletzung der Menschenrechte als auch ein Unglück für Afghanistan”, so Dr. Unsal.

*Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UDHR) ist ein Meilenstein in der Geschichte der Menschenrechte. Sie wurde von Vertretern mit unterschiedlichem rechtlichem und kulturellem Hintergrund aus allen Regionen der Welt verfasst und von der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 in Paris (Resolution 217 A der Generalversammlung) als gemeinsamer Standard für alle Völker und Nationen proklamiert. In ihr wurden zum ersten Mal grundlegende Menschenrechte festgelegt, die universell zu schützen sind, und sie wurde in über 500 Sprachen übersetzt. Es wird allgemein anerkannt, dass die UDHR die Verabschiedung von mehr als siebzig Menschenrechtsverträgen inspiriert und ihnen den Weg geebnet hat, die heute auf globaler und regionaler Ebene ständig angewandt werden (alle enthalten in ihren Präambeln Verweise auf die UDHR).

 

https://en.wikipedia.org/wiki/War_in_Afghanistan_(2001–2021)

https://www.pbs.org/newshour/world/talibans-higher-education-minister-defends-ban-on-women-from-universities 

https://www.ohchr.org/en/countries/afghanistan 

https://www.pbs.org/newshour/world/afghan-women-weep-over-university-ban-as-taliban-begin-enforcement 

https://www.bbc.com/news/world-south-asia-11451718

https://www.theguardian.com/global-development/2022/mar/10/robbed-of-hope-afghan-girls-denied-an-education-struggle-with-depression 

https://amp.cnn.com/cnn/2021/12/03/asia/afghanistan-taliban-decree-womens-rights-intl/index.html

https://edition.cnn.com/2022/12/20/asia/taliban-bans-women-university-education-intl/index.html

https://www.right-to-education.org/page/campaign 

https://www.unesco.org/en/education/right-education/campaign 

https://www.hrw.org/news/2021/09/02/how-international-community-can-protect-afghan-women-and-girls

 

 

 

Eine Buchbesprechung von Das Leben der Halime Gülsu: Die himmlische Lehrerin, die im Gefängnis ermordet wurde

Halime Gülsu – Das versagende Gefängnissystem der Türkei führte zum tragischen Tod einer einzigartigen Seele. Eine Buchbesprechung von Das Leben der Halime Gülsu: Die himmlische Lehrerin, die im Gefängnis ermordet wurde (2022)

by Vivien Kretz

 

Warum werden Gefangene nicht zum Tode verurteilt, aber trotzdem ermordet?

Wie bezahlen Bürger für ihr Leben? Solche Fragen stellt man sich, wenn man über das Schicksal von Halime Gülsu nachdenkt.

Das Buch ‘Halime Gülsu: The Heavenly Teacher Murdered in Prison’ (Die Himmlische Lehrerin, die im Gefängnis ermordet wurde) wurde von Zeynep Kayadelen geschrieben und von der US-amerikanischen Menschenrechtsorganisation ‘Advocates of Silenced Turkey‘ (AST) herausgegeben. Es basiert sich auf den Aussagen von Gülsus Zellengenossingen, die ihre letzten Momente miterlebt haben, und auf den Aussagen von von Freunden und Familienangehörigen. Gülsu starb als Insassin in einer Gefängnisabteilung in der türkischen Provinz Mersin, weil sie keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Hilfe hatte.

Die Geschichte von Halime Gülsu wurde nun von der türkischen Organisation ‘Advocates of Silenced Turkey rekonstruiert. Die Autorin Zeynep Kayadelen leitet ihr werk mit dem Vorwort: “Wir sind viele Male gestorben” ein (Kayadelen 2022, 9). Die Hoffnungslosigkeit wird durch ihr Worten betont. Sie widmet dieses literarische Werk denjenigen, die einen schmerzhaften Tod erlitten haben wegen einem am Herzen liegendem Kampf.

In ihrem Roman beschreibt Kayadelen das traurige Schicksal von Halime Gülsu, eine engagierte Lehrerin, die in der Türkei unterrichtete und der Hizmet Bewegung angehörte. Diese Bewegung ist von den Ideen und Zielen des Gelehrten Fethullah Gulen beeinflusst. Die Hizmet-Bewegung setzt sich für eine freiere, gleichberechtigtere und nachhaltigere Türkei ein.

Gülsu war eine sehr engagierte Lehrerin. Während ihrer Arbeitszeit unterrichtete Sie ihre Schüler und nebenbei unterstützte sie diejenigen die von der türkischen Regime verfolgt wurden.

Das türkische Regime wendete sich gegen alle Anhänger der Hizmet-Bewegung. Gülsu und die meisten ihrer Freuden befangen sich deswegen in einer schwierigen Situation. Sie fühlten sich auf Schritt und Tritt beobachtet. Sie wussten, dass das Regime hinter ihnen her war. Kayadelen beschrieb es so: “Wenn die Unterdrückung ein Feuer wäre, dann wäre ihre Feindseligkeit der Wind, der es anfachte”. Gülsu weigerte sich jedoch nachzugeben und lehnte die Möglichkeit ab, das Land zu verlassen. Ein Großteil ihrer Familie wohnt in Kanada, deswegen konnte sie oft ins Ausland reisen, um ihre Familie zu besuchen. Sie war eine sehr stolze türkische Staatsbürgerin und schlussendlich entschied sich zu blieben, um sich gegen das Regime zu wehren. Im Laufe des Buches wird immer wieder betont, dass sie sich als Bürgerin der Türkei sah und sich beschloss, für eine vielversprechende Zukunft ihres Landes zu kämpfen. Die Anführer des Regimes waren damit nicht einverstanden.

Am 20. Februar 2018 wurde Gülsu wegen ihrer Zugehörigkeit zur Hizmet-Bewegung verhaftet. Ihre Verhaftung kam für sie ziemlich überraschend. Gülsu wusste, dass sie beobachtet wurde, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass sie verhaftet und inhaftiert werden würde.

Nachdem das Team der Antiterror Spezialeinheit von Mersin ihre gesamte Wohnung durchsucht, and gesamt auseinandergenommen hatte, wurde sie verhaftet und ins Gefängnis von Tarsus gebracht.

Gülsu war nicht gesund, sie litt an chronischem Lupus erythematosus, einer Autoimmunkrankheit, und benötigte tägliche und wöchentliche Medikamente zur Behandlung ihrer Krankheit.

Als die türkischen Streitkräfte die Lehrerin aus ihrem Haus ras, nahm sie schnell ihre täglichen Medikamente und ihre Krankenakte mit. Leider vergaß Gülsu ihre wöchentliche Medizin einzunehmen während ihrer Verhaftung.

Im Gefängnis angekommen, fragte sie nach ihren medizinischen Unterlagen, aus denen hervorging, dass sie krank war und ihre wöchentliche Medizin und medizinische Hilfe benötigte, aber die Unterlagen waren nirgendwo zu finden. Gülsu befand sich deswegen in einer schrecklichen und lebensbedrohlichen Situation.

Im Gefängnis wurde sie mit anderen Frauen in einer überfüllten Zelle gesteckt. Die Zelle war bestimmt für zehn Personen mit zehn Betten ausgelegt. Als sie die Zelle betrat war sie bereits mit doppelter Anzahl Frauen besetzt.

Einige der Gefangenen hatten Kinder, die ihnen entnommen sind. Weibliche Gefangene waren gezwungen, kleine Kinder nach Hause zu schicken, da das Gefängnis sie nicht versorgen konnten.

Gülsu erlebte alles aus erster Hand: die Routine, die Unwissenheit und die Geschichten der anderen Gefangenen, aber nicht für lange. Drei Monate nach ihrer Verhaftung starb Gülsu wegen medizinscher Nachlässigkeit.

 

Gülsu erhielt weder Zugang zu ihren wöchentlichen Medikamenten noch zu ihrer medizinischen Behandlung für ihre chronische Lupus Erkrankung. Ihr Zustand verschlimmerte sich, und sie entwickelte Wucherungen und Knoten – sie litt schreckliche Qualen.

Sie wurde von Tag zu Tag schwächer und schwächer. Als ihr Bruder ihr endlich die Medikamente bringen konnte, war es bereits zu spät. Gülsu konnte die Schmerzen nicht mehr ertragen, und die aggressive Krankheit war zu fortgeschritten.

Nach wochenlangem Leiden durfte Gülsu endlich ins Krankenhaus, es war jedoch zu spät. Nach ihrer Rückkehr ins Gefängnis mussten ihre Insassen, die zu liebevollen Freunden geworden waren, sie tragen, da sie zu schwach war, um zu gehen – sie kümmerten sich um Gülsu, fütterten sie und beteten für sie.

Leider starb sie um April 2018 um 15:10 allein im Gefängnisflur. „Wir ein leerer Kokon wurde ihr ausgetrockneter Körper zurückgelassen, der einfach nur da lag“, beschreibt Kayadelen in ihrem Buch.

Die Autorin Kajadelen erzählt die Geschichte in einer Ich-Perspektive, was es dem Leser erleichtert, sich vorzustellen, was die Lehrerin während ihrer schweren Zeit im Gefängnis durchgemacht haben muss.

Kayadelens Buch ist ein schönes Leseerlebnis mit einem persönlichen Einblick in das, was Gülsu in ihren letzten Tagen erlebt hat. Durch zahlreiche Interviews mit Menschen, die im Gefängnis arbeiten, und mit Menschen, die mit Gülsu in Verbindung stehen, hat die Organisation die Geschichten über ihre Zeit im Gefängnis zusammengestellt und einen starken Hintergrund für eine mit Herz erzählte Geschichte geschaffen.

Kayadelens Arbeit wirkt als eine starke Stimme gegen alle Menschenrechtsverletzungen in türkischen Gefängnissen. Die Anwälte von ‚Silenced Turkey‘ haben hervorragende Arbeit geleistet, um Halime Gülsu, „die himmlische Lehrerin“, ein kleines Stück Gerechtigkeit zu verschaffen.

Das Buch kann hier erworben werden:

https://www.amazon.com/Life-Halime-Gulsu-Heavenly-Murdered/dp/B0BMY9HXYW

 

Translated By Georgette Schönberger from https://brokenchalk.org/the-life-of-halime-gulsu-the-heavenly-teacher-murdered-in-prison/

Presseerklärung: Weltfrauentag 2023 – Übersetzt von Florian Dams

8 März 2023

Herzlichen Glückwunsch zum Weltfrauentag! Ein Tag um die Errungenschaften der Frauen weltweit zu feiern, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, mit denen Frauen konfrontiert sind, und Wege zur Gleichstellung der Geschlechter zu finden. In diesem Jahr lautet das Thema “Frauen in Bildung, Technologie und Innovation”. Dieses Jahr hat das Frauenteam von Broken Chalk ein Video gedreht um den tag zu feiern und das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen mit denen Frauen in der Bildung immer noch tagtäglich konfrontiert sind. Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Prozess, der Frauen und Männern gegenüber fair ist. Frauen streben nach beruflicher Bildung und Karriere, aber nach wie vor nicht ohne Hindernisse. Um genau diese Fairness zu schaffen, müssen Methoden zur Verfügung stehen, um Frauen auf der ganzen Welt im Kampf gegen soziale, politische oder kulturelle Nachteile zu unterstützen.

 

Artikel 28 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes sieht Chancengleichheit sowie eine obligatorische und verfügbare Grundschulbildung für alle vor. Auch heute noch gehen 129 Millionen Mädchen nicht zur Schule, obwohl mehr Mädchen als je zuvor Zugang zu Bildung haben. Die Wahrnehmung des Rechts von Frauen auf hochwertige Bildung wird nach wie vor durch zahlreiche geschlechtsspezifische Hindernisse beeinträchtigt, z. B. durch Stereotype, Kinderheirat und Schwangerschaft, Armut oder geschlechtsspezifische Gewalt. Obwohl geschlechtergerechte Bildungssysteme Wohlstand für das ganze Land schaffen, geben arme Familien bei ihren Bildungsinvestitionen oft den Jungen den Vorrang. Bildungszugang für junge Mädchen schafft soziales und wirtschaftliches Wohlergehen für die Länder in denen sie leben, da diese jungen Mädchen im späteren Lauf ihres Lebens eher dazu tendieren   in die Bildung ihrer eigenen Kinder zu investieren und ihr Vorrang einräumen.

 

Die Bildung von Mädchen geht über die Einschulung hinaus: Es muss ein sicheres Lernumfeld gewährleistet werden, dass den Mädchen ermöglicht, ihre Ausbildung abzuschließen und die Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die sie benötigen, um im Berufswettbewerb bestehen zu können.

 

In einigen Ländern erfüllen die Schulen jedoch immer noch nicht Sicherheits-, Hygiene- und Sanitäranforderungen. Zudem sind geschlechtsspezifische Lehrpläne noch immer mehr Regel als Ausnahme, was zu Unterschieden beim Lernen entlang dieser Linien führt.

Unser Team hat über die Herausforderungen nachgedacht mit denen Frauen in ihren Herkunftsländern immer noch konfrontiert sind sowie über mögliche Lösungsansätze.

Im so genannten “Globalen Norden” ist der Zugang von Mädchen zur Bildung nicht systematisch durch das Geschlecht bedingt, aber Stereotypen spielen immer noch eine Rolle dabei, dass Frauen in der Tendenz eher zum folgen geisteswissenschaftliche statt naturwissenschaftliche Fächer verwiesen werden. In einigen Ländern wie Italien gibt es immer noch Ungerechtigkeiten und Diskriminierung beim Zugang zum Arbeitsmarkt. Auf dem afrikanischen Kontinent hingegen spielt die Armut eine entscheidende Rolle beim Zugang zur Bildung. Eines der Hauptprobleme ist die Tatsache, dass für viele Mädchen die Bildung auf Eis gelegt ist: Es gibt keine Kontinuität. Dies ist der Fall in Kenia, wo Dürre- und Hungerkrisen den nachhaltigen Bildungszugang von Mädchen erschweren. Mädchen brechen die Schule auch aufgrund von frühen Schwangerschaften und Eheschließungen ab. In Uganda und Mosambik ist dieses Phänomen sehr präsent: Die Gesellschaft muss sensibler dafür werden, wie wichtig es für ihre soziale Entwicklung ist, Mädchen zur Schule zu schicken. Auch in einigen asiatischen Ländern wie Indonesien ist die Kinderheirat immer noch ein Grund dafür, dass Frauen die Schule abbrechen und sich auf die Betreuung der Kinder und das führen des Haushalts konzentrieren. Obwohl die Regierung Maßnahmen ergreift, um die Qualität der Schulbildung von Mädchen in Indonesien zu verbessern, muss das öffentliche Bewusstsein für den gesellschaftlichen und individuellen Wert der Schulbildung für Mädchen gestärkt werden. Investitionen in die Schulbildung von Mädchen verändern Gemeinschaften, Länder und die Welt. Sie stärken die Wirtschaft und verringern die Ungleichheit. Eine weitere Herausforderung für Frauen in der Bildung kann am Fall der Türkei veranschaulicht werden, wo Universitätsstudentinnen immer wieder Opfer von willkürlichen Polizeidurchsuchungen werden.

Wie immer hat sich Broken Chalk zur Aufgabe gemacht, das Wissen über die Bedeutung von Bildung für die Verwirklichung der Menschenrechte zu verbreiten. In diesem Jahr wird sich Broken Chalk darauf konzentrieren, Bewusstsein zu schaffen für die positiven Auswirkungen der Bildung von Frauen auf die Gesellschaft im Allgemeinen sowie auf das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen. Da Frauenrechte Menschenrechte sind, werden wir auch weiterhin Bemühungen unterstützen, die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen zu erreichen, nicht nur im Bildungsbereich. Die Gleichstellung der Geschlechter verbessert die Chancen für alle und ermöglicht es den Menschen, ihre Träume unabhängig vom Geschlecht zu verfolgen. Gleichberechtigung führt zu Gleichheit.

 

Einen frohen Weltfrauentag!

Unterzeichnet von

Broken Chalk

 

Translated by Florian Dams from https://brokenchalk.org/press-release-international-womens-day-2023/

 International_Womens_Day_2023_Press_Release_DE

Das Zeugnis von Marcel Voorhoeve, ein inspirierender Mann, der in den Niederlanden im Bildungsbereich tätig ist

Interview mit Marcel Voorhoeve und die Qualifikation von Flüchtlingslehrern zum Unterrichten in den Niederlanden.

Obschon er den größten Teil seines Lebens als Mathematik- und Physiklehrer und Direktor einer Sekundärschule verbracht hatte, gründete Marcel Voorhoeve die Organisation DVDK (Docentvluchteling voor de Klas) oder „Flüchtlingslehrer für das Klassenzimmer“.

In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Verein für Mathematiklehrer und VluchtelingenWerk Nederland (den niederländischen Flüchtlingsrat), versichern die Freiwilligen der DVDK, dass die Flüchtlingslehrer ihren Beruf auch in den Niederlanden ausüben können.

Anlässlich des Internationaler Tag der Bildung 2023 beschloss Broken Chalk ein Gespräch mit Marcel Voorhoeve zu führen, um über seine Erfahrungen, die Gründung von der DVDK und über Vorschläge, die er anderen mitteilen möchte, die sich möglicherwiese an der Förderung des „Unterrichtens von Flüchtlingslehrern“ beteiligen möchten zu sprechen.

 

Can you tell me about your background?

Können Sie mir etwas über Ihren Hintergrund erzählen?

 

„Ich bin im Süden des Landes geboren, in Maastricht. Ich bin im Moment 67 Jahre alt und habe Mathematik und Physik an der Universität von Utrecht studiert. Nach einem fünfjährigen Studium war es möglich, die Lizenz als Lehrer zu bekommen. Danach suchte ich nach einer Arbeit im Bildungswesen, welches zurzeit nicht einfach war. Schlussendlich erhielt ich eine Stelle in Utrecht, und wurde ich Lehrer an einer römisch-katholischen Schule und fing an, Physik zu unterrichten.“

 

Demzufolge wurde Marcel Mathematiklehrer und begann Mitte der 1980er Jahren, mit der Entwicklung von Computern, auch mit dem Unterrichten von Informatik. Seiner Meinung nach war es eine sehr interessante Zeit für das Bildungssystem, da neue Ideen für den Mathematikunterricht entstanden.

 

„An der Universität von Utrecht begann die Abteilung mit dem Entwickeln von neuen Ideen für den Mathematikunterricht. Unsere Universität war für mehrere Projekte eine „Versuchsuniversität“. Dies war auch sehr interessant für mich, da es mir erlaubte mich als Lehrer weiterzuentwickeln.“

 

„In vielen Ländern wird Mathematik angesehen als etwas, das man lernen und tun muss, doch das Wichtigste ist das Tun… Dieser Ansatz hilft das eigene Denken nicht weiterzuentwickeln. Den nur, wenn man sich die Zeit nimmt Dinge auszuprobieren und mithilfe eines guten Lehrers ist es möglich sein eigenes Denken zu entwickeln.“

 

Die letzten 15 Jahren seines Berufes war Marcel ein Vorstandsmitglied seiner Schule und die letzten 4 Jahren bevor er aufhörte zu arbeiten, unterrichtete er an der Universität von Angewandten Wissenschaften in Amsterdam in der Lehrerausbildung Abteilung. Dort konnte er wieder unterrichten, indem er junge Studenten, die Mathematiklehrer werden wollten, mathematische Fächer, insbesondere Statistik, und die Didaktik der Mathematik beibrachte.

 

Wie sind Sie auf die Idee für die DVDK gekommen?

 

„Ich habe vor drei Jahren, etwa zu Beginn der Corona-Zeit, aufgehört zu arbeiten, dennoch hat mir meine Arbeit sehr gut gefallen. Mein Partner und ich fingen zu reisen und für einen Moment… Im Monat Januar, nach Weihnachten, dachte ich darüber nach, was ich tun könnte. Auf die nächste Reise abwarten, war nicht befriedigend für mich.“

 

Eines Tages beschloss Marcel Plan Einstein zu besuchen, ein Ort entwickelt von der Gemeinde Utrechts und von VluchtelingenWerk Nederland, eine Organisation, welchen Flüchtlingen bei der Aufnahme und Integration in der Stadt hilft. Nachdem er mit einem Mitarbeiter gesprochen hatte, wurde er an einem türkischen Flüchtling vorgestellt. Der Mann war ein Mathematiklehrer und möchte unbedingt wieder unterrichten. Das einzige Problem war, dass er die niederländische Sprache, den niederländischen Mathematikunterricht und das Schulsystem in die Niederlande nicht kannte.

 

„Wir wurden Freunde, ich half ihm, mit der Sprache und das Bildungssystem zu verstehen. Er erzählte mir, dass er Mitglied einer WhatsApp-Gruppe von etwa 100 Mathematiklehrer sei, die aus der Türkei geflüchtet sind wegen der politischen Entwicklungen und die keine Möglichkeit mehr sahen, dort zu unterrichten.“

 

Zugleich erklärte Marcel, dass die Niederlande von einem extremen Mangel an Mathematiklehrer betroffen sei.

 

Dies kreiert ein Paradox: In einem Land mit immer weniger Lehrern gibt es fähige geflüchtete Lehrer, die helfen können und gleichzeitig ihren geliebten und gewählten Beruf ausüben können.

 

Die Idee der DVDK entstand aus diesem Paradox. Mithilfe der Foundation of Math Teachers in Holland und der Organisation VluchtelingenWerk Nederland startete Marcel ein Projekt mit dem Ziel, Lehrer aus dem Ausland dabei zu helfen, Lehrer in die Niederlande zu werden.

 

„Theoretisch sind alle Flüchtlinge aus der Türkei erlaubt, an unseren Schulen zu unterrichten, da sie eine mit dem niederländischen Bildungssystem kompatible Lizenz haben. Dennoch ist die Sprache problematisch und unterscheidet sich das niederländische Bildungssystem und die Art und Weise, wie Mathematik in Holland unterrichtet wird, enorm von der Türkei, Iran oder Syrien… Mehrere von diesem Mathematiklehrer waren nicht zufrieden mit den bestehenden Projekten an anderen Universitäten, daher dachten wir an einer Idee dies zu verbessern.“

 

„Wir erstellten einen Plan für das Ministerium für Bildung, der einen gut strukturierten Weg enthält Flüchtlingen aus dem Ausland ab dem Moment ihrer Einreise in die Niederlande zu helfen, und ihnen zu unterstützen mit dem Bewerten von benötigen Zertifizierungen und Lizenzen, und sie darauf vorzubereiten schnell und dauerhaft Lehrer werden.“

 

Im Februar 2022 startete eine Gruppe von 15 Lehrern, 13 Mathematiklehrern und zwei IT-Lehrern einen Kurs basierend auf den Ideen von der DVDK an der Universität von Angewandten Wissenschaften in Utrecht.

 

(Picture: Two IT  teachers are instructed by their teacher in didactics of the Vrije Universiteit Amsterdam)

 

Wie funktioniert die DVDK in der Praktik?

„Laut der DVDK sind Schulungen über die niederländische Sprache, die Didaktik und das niederländische Schulsystem nur ein Teil dessen, was die DVDK tut, „Periode Zwei“ genannt.“

Tatsächlich betonte Marcel, dass diese Flüchtlinge, die nach den Niederlanden kommen, ein dringendes Bedürfnis haben für eine Phase, welches solche Schulungen vorausgeht.

„Diese Flüchtlinge müssen die Sprache beherrschen, bevor sie mit dieser „Periode Zwei“ starten können. Wir möchten sofort beginnen, nachdem sie ihren Flüchtlingsstatus haben oder manchmal sogar bevor. In den Asylzentren sind sie nicht erlaubt Niederländisch zu üben oder einen Kurs darüber zu folgen… Dies ist schrecklich und sehr demotivierend. Natürlich gibt es Freiwillige, die Kurse und Aktionen organisieren, allerdings sind diese im Moment keine strukturierte Hilfe für Asyllehrer. Ein schneller Start hilft ihnen, einen motivierenden Anfang zu haben, und Dinge für eine neue Zukunft zu erforschen und zu entwickeln.“

„Unsere Idee „Periode Eins“ genannt, macht es notwendig, Lehrern etwas anzubieten, die aus dem Ausland nach den Niederlanden kommen. Wir halten es für sehr wichtig, dies von Anfang an zu tun, um Flüchtlinge die Motivation zu geben, Gutes für ihr eigenes Leben zu tun.“

(Picture: In June 2022 the team of Hogeschool Utrecht and members of the projectgroup DVDK (Docentvluchteling voor de Klas) congratulated the participants with their first part of the course)

Außerdem ist es laut Marcel wichtig, Flüchtlinge eine Orientierung zu geben, was Bildung in die Niederlande konkret bedeutet, da sie möglicherweise nur wenig oder gar keine Vorstellung davon haben, was es bedeutet, in den Niederlanden Lehrer zu sein.

 

„Wir glauben auch, dass es notwendig ist, die Sprache ein wenig zu üben. Wir haben eine Art Website entwickelt, auf der wir Niederländisch Unterricht anbieten. Zusätzlich sind die Aufgaben und Inhalte berufsorientiert, sodass der Kontext und die Übungen an den Beruf des Lehrers gekoppelt sind. Dieses Design motiviert die Flüchtlinge sehr. Mehrere Lehrer sind wirklich Lehrer mit Leib und Seele, und ihnen daher die Möglichkeit zu geben, solche Kurse zu folgen, ist eine Art, ihnen zu sagen, dass sie in unserem Land und in der Mathe-Community willkommen sind und dass wir ihnen helfen wollen.“

 

In diesem Sinne ist die DVDK die einzige Organisation des Landes, die in dieser ersten Periode Ideen und Materialien entwickelt hat.

 

Letztendlich erzählte mir Marcel von der dritten Periode der Ausbildung. Dieses letzte Teil ist sehr praktisch, da die Mathematiklehrer in ihren ersten Job noch viel Coaching benötigen.

 

„Auch wenn die Beherrschung der Sprache und die Didaktik ziemlich gut sind, ein Lehrer muss sich an einem neuen Schulkontext gewönnen und dies fordert viel Unterstützung. Insbesondere für die Sprache, beispielsweise beim Schreiben von E-Mails oder Briefen an Eltern oder für das Designen von Aufgaben oder Tests für Schüler…“

 

Wenn Sie andere im Bildungsbereich beraten müssten: Welches sind die Hauptschwierigkeiten und wie besteht man sie?

 

„Einige Sachen… Zunächst einmal müssen die Teilnehmer viel Zeit investieren, dies ist nur möglich, wenn man wirklich an die Idee glaubt und wenn man eine Gruppe von Personen und Organisationen hat, die auch daran glauben. Eine gute Zusammenarbeit ist auch wichtig. Ich kann sagen, dass wir mit den Leuten, die jetzt an dem Projekt beteiligt sind, tatsächlich eine Art Freundschaft entwickelt haben. Dies hilft, um mit den Höhen und Tiefen umzugehen, etwas, was jedes Projekt begegnet.

 

Zweitens untersuchte die DVDK, ob die Struktur des Projekts auch für andere Fächer anwendbar ist. Wir haben festgestellt, dass auch Lehrer für Physik, Chemie, Technik und Informatik aufgrund des Lehrermangels kreative Ideen brauchen, um neue Lehrer zu werben. Unser Ziel ist es, mit ihnen in Verbindung zu kommen, das bedeutet, dass die DVDK sich ausbreiten wird und wirklich an der Einstellung von einer wachsenden Zahl an neuen Lehren beitragen wird. Dies ist ein Beispiel von unserer Politik: möglichst viele Teilnehmer und Organisationen involvieren, mit dem Ziel so viel verfügbares Kenntnis wie möglich zur Verfügung zu stellen. Und drittens, es gibt viel verfügbares Kenntnis und „Power of People“. Expertise in Sprachdidaktik (CLIL), in Mathematikdidaktik speziell für Lehrer, in Lehrercoaching aus dem Ausland, usw. Und nun warten wir auf unser Ministerium für Bildung. Unsere Bemühungen führten dazu, dass sich unser neuer Minister für einen strukturierten Ansatz und den finanziellen Bedarf einsetzte. Unsere ehrenamtliche Arbeit geht weiter!“

(Picture: Group of 15 teacher-asylants who started a course at Hogeschool Utrecht in February 2022)

Translated by from https://brokenchalk.org/interview-with-marcel-voorhoeve-and-the-qualification-for-refugee-teachers-to-teach-in-the-netherlands/

Presseerklärung: TAG DER MENSCHENRECHTE

10. Dezember 2022

Presseerklärung: TAG DER MENSCHENRECHTE

“Die Förderung des Rechts auf Bildung wird dazu beitragen, andere Menschenrechte zu fördern”

Am 10. Dezember möchte Broken Chalk nicht nur den 74. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte feiern, sondern auch über die vielen Herausforderungen und Erfolge nachdenken, mit denen die Menschenrechtsgemeinschaft in diesem Jahr konfrontiert war. Wie immer ist es auch heute die Aufgabe von Broken Chalk, Wissen über die Rolle der Bildung in der Verwirklichung von Menschenrechten zu verbreiten. Trotz der zahlreichen Fortschritte im Bereich der Menschenrechte auf der ganzen Welt hindern Armut, systematische und institutionelle Gewalt, Diskriminierung und Korruption Kinder und junge Erwachsene weiterhin daran, ihr Recht auf Bildung in vollem Umfang zu verwirklichen. Zu Beginn des Jahres 2023 lohnt es sich, darüber nachzudenken, welche Maßnahmen die einzelnen Länder und die internationale Gemeinschaft ergreifen sollten, um eine erreichbare, hochwertige Bildung für alle zu fördern.

Auch im Jahr 2022 war die Finanzierung eines der größten Hindernisse, um diese Art Bildung möglich zu machen. In Bildungseinrichtungen auf der ganzen Welt fehlt es nach wie vor an sicherer Infrastruktur, sauberem Wasser, ausreichend Material, Büchern und anderen Lehrmitteln. Pädagogen erhalten nur selten ein existenzsicherndes Gehalt, obwohl sie eine der wichtigsten Arbeiten in der Gesellschaft verrichten. Diese Finanzierungskrise verschärft sich mit der zunehmenden weltweiten Inflation. Wenn die Wirtschaft schrumpft, kürzen die Regierungen die Bildungsbudgets, wodurch die Qualität der Bildung weiter sinkt. Gleichzeitig brauchen die Familien mehr Einkommen, so dass immer mehr Kinder die Schule verlassen, um zu arbeiten. Diese beiden Probleme verstärken sich gegenseitig: Wenn die Qualität der Bildung eines Kindes sinkt, werden Familien, die eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen, eher der Arbeit den Vorzug vor der Schule geben, weil Arbeit einen unmittelbareren Wert darstellt. Dies kann dauerhafte Auswirkungen haben; eine ungebildete Erwerbsbevölkerung kann die Löhne für alle drücken, was die Einkommensunterschiede vergrößert und die Armut verschlimmert. Um diesen Teufelskreis zu verhindern, müssen wir unsere politischen Entscheidungsträger – auf nationaler und internationaler Ebene – daran erinnern, dass Bildung ein wesentliches Menschenrecht ist, für das ausreichende Mittel bereitgestellt werden müssen.

Ein weiteres Problem, das den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung erschwert, ist die zunehmende Verbreitung interner Konflikte. Aufgrund der ungerechten Strafverfolgungspraktiken der derzeitigen Regierung in der Türkei wurden Lehrer gefoltert, inhaftiert und getötet. Zwischen der Gewalt im Iran, den wiederholten Putschen in Burkina Faso, der Invasion in der Ukraine, dem Erstarken der Taliban in Afghanistan und den andauernden Konflikten in Äthiopien, Syrien, Jemen, Myanmar und vielen anderen Ländern hat das Jahr 2022 vielen der akutesten Auseinandersetzungen in der Welt kein Ende gesetzt. In Konfliktgebieten steht die Verwirklichung des Menschenrechts auf Bildung vor nahezu unüberwindbaren Herausforderungen. Die ständige Bedrohung durch Gewalt verhindert, dass Bildung überhaupt stattfinden kann, zumal Bildungseinrichtungen häufig von aufständischen bewaffneten Gruppen angegriffen werden. Familien erleiden große Verluste, z. B. den Verlust ihres eigenen Lebens, ihrer Familienmitglieder, ihres Einkommens oder ihres Zuhauses, und können sogar zu Flüchtlingen oder Binnenvertriebenen werden. Die Konsolidierung der humanitären Hilfe ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass grundlegende Bildungsdienste auch während eines Konflikts weiterhin zur Verfügung stehen. In vielerlei Hinsicht ist Bildung ein wirksames Mittel, um Konflikte zu verhindern, bevor sie entstehen, und die sozialen Folgen von Konflikten zu behandeln, nachdem sie entstanden sind. Bildung ist entscheidend für den Aufbau des sozialen Zusammenhalts und bietet ein gewaltfreies Ventil, um politische Ziele auszudrücken und zu fördern. In Gesellschaften mit höherem Konfliktrisiko kann eine gezielte Bildung, die soziale, politische und ethnische Minderheiten unterstützt, Gewalt verhindern. Kommt es in einer Gesellschaft zu einem Konflikt, kann Bildung im Nachhinein die Entwicklungslücken schließen, die durch die vertriebene Bevölkerung entstanden sind, und dazu beitragen, die Wirtschaft einer Gesellschaft wieder aufzubauen. Bildung nach Konflikten kann auch denjenigen helfen, die vom Konflikt negativ betroffen waren, insbesondere denjenigen,  die ihre Familie oder ihr Zuhause verloren haben. Bildung kann das Werkzeug für Widerstandsfähigkeit und neue, bessere Chancen liefern. Shließlich kann Menschenrechtsbildung ehemalige Kämpfer wieder eingliedern, indem sie ihnen die Fehler ihres gewalttätigen Verhaltens vor Augen führt, und ehemalige Opfer trösten, indem sie ihnen hilft, sich selbst als Mensch wieder wertzuschätzen.

Eine letzte Herausforderung für das Bildungswesen sind die anhaltenden Verlagerungen, die durch die COVID-19-Pandemie verursacht werden. Diejenigen Schüler, die am meisten digital lernen müssen, darunter kleine Kinder und diejenigen, die sich kein Internet oder keine digitale Technologie leisten können, bleiben im Schulstoff weiterhin zurück. Wir als Kollektiv müssen das verhindern, was zunehmend als “globale Lernkrise” bezeichnet wird, da die Kinder nicht die Qualität der Bildung erhalten, die vor COVID-19 gegeben war, und die Schulen es nicht schaffen, sich an die veränderten Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Nationale und internationale politische Entscheidungsträger müssen das Feedback von Schulen und Familien einholen, um zu erfahren, wie sich die Bildungspolitik im digitalen Zeitalter verändern kann und wie die Digitalisierung Schüler mit unterschiedlichem Hintergrund und Lernbedarf miteinbeziehen kann.

Im Jahr 2023 wird sich Broken Chalk, neben anderen Themen, auf diese Probleme fokussieren. Es ist wichtig, sich an diesem Internationalen Tag der Menschenrechte daran zu erinnern, dass alle Menschenrechte miteinander verbunden sind. Die Förderung des Rechts auf Bildung wird dazu beitragen, andere Menschenrechte zu fördern, wie das Recht auf Leben, Gleichheit vor dem Gesetz, Privatsphäre, Eigentum, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung und vieles mehr. Umgekehrt werden sich Fortschritte bei anderen Menschenrechten positiv auf die Bildung auswirken.

 Broken Chalk verspricht, dass wir uns im neuen Jahr für die Förderung aller Menschenrechte einsetzen werden, indem wir das Recht auf Bildung stärken.

 Unterzeichnet von 

Broken Chalk

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Russlands Invasion in der Ukraine: Wer zahlt den Preis für diesen Krieg?

Mahmud Darwish sagte einmal über den Krieg:

„Der Krieg wird enden. Die Führer werden sich die Hände schütteln. Die alte Frau wird weiter auf ihren getöteten Sohn warten. Das Mädchen wird auf ihren geliebten Ehemann warten. Und diese Kinder werden auf ihren heldenhaften Vater warten. Ich weiß nicht, wer unser Heimatland verkauft hat, aber ich habe gesehen, wer den Preis dafür bezahlt hat.“ 

Im Laufe der Jahre sind viele Länder durch Krieg und Diktatur zerstört worden. Viele dieser Länder waren hinreichend zivilisiert, bevor der Krieg sie ruiniert hat; voller Kultur, Entwicklung und Zivilisation, wie Syrien, Palästina, Libyen, Afghanistan, der Irak, Somalia, Jemen und viele mehr. 

Die Gier und der Egoismus von Diktatoren und korrupten Politikern haben diesen Ländern nichts als Schaden zugefügt. Viele unschuldige Menschen haben ihr Leben verloren und viele leiden unter Armut als Folge der schlechten Regierungsführung durch tyrannische Regime. Die nationalen Infrastrukturen sind aufgrund von Kriegen zusammengebrochen, und auch die Umwelt wurde stark in Mitleidenschaft gezogen.

 

The Costs of War Project, Watson  Institut für internationale und öffentliche Angelegenheiten, Brown Universität, 2021

 

Die Ukraine hat sich nun der Reihe der Länder angeschlossen, die aufgrund der Gier der Diktatoren durch Krieg zerstört wurden. Vladimir Putin ist nicht nur in einen benachbarten souveränen Staat eingedrungen, sein Regime übt auch auf russischem Territorium eine vollständige Zensur aus. Unabhängige russische Medien und Journalisten, die sich gegen Putins Regime und darüber aussprechen, wie die Russen unter seiner Führung leiden, werden schikaniert, eingeschüchtert und rechtswidrig festgenommen. Die gleiche Behandlung widerfährt Demonstranten, die sich gegen Putin und die von seinem Regime in der Ukraine begangenen Verbrechen stellen. Ein Beispiel ist der Fakt, dass junge Russen dazu gezwungen werden, sich den Streitkräften anzuschließen, ohne darüber informiert zu sein, dass sie sich somit an der Invasion in die Ukraine beteiligen. All dies beschreibt treffend, wie ein „totalitärer Staat“ aussieht.

Wie hat sich der Krieg auf das Bildungswesen ausgewirkt?

Die Auswirkungen des Krieges sind im Bildungssektor deutlich sichtbar, da der Zugang zu Bildung aufgrund des Mangels an Bildungsmaterial eingeschränkt ist. Eine große Rolle spielen dabei Armut sowie die Propaganda, die von Diktatoren verbreitet wird, um eine Invasion oder die Verbrechen an ihren eigenen Bürgern zu rechtfertigen.

Viele Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten wurden aufgrund des andauernden Krieges in der Ukraine zerstört und beschädigt, was die Zukunft der Kinder im Lande gefährdet und ihnen den Zugang zu Bildung verwehrt.  

UNICEF hat kürzlich einen Bericht über die Auswirkungen der russischen Invasion in der Ukraine veröffentlicht. Dem Bericht zufolge hat die Invasion dazu geführt, dass mehr als 350.000 Schulkinder keinen Zugang zu Bildung haben, da die schulische Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde. Zudem schränken mangelhafte Unterrichtsmethoden den Zugang zu Bildung ein, so dass es den Kindern an sicherer Unterkunft, Wasser und Bildung fehlt. 

Die Auswirkungen des Krieges auf ukrainische Flüchtlinge und internationale Studierende in der Ukraine:

Viele Ukrainer haben seit Beginn des Krieges in verschiedenen Ländern Zuflucht gesucht. Die Sorge um die Flüchtlingskinder und die Frage, wie sie in die Schulsysteme anderer Länder integriert werden können, ist groß, vor allem aufgrund von Sprachbarrieren. Die Schulen in Polen haben ukrainische Flüchtlingskinder aufgenommen, und polnische Lehrer haben diesen Schülern geholfen, die Sprachbarriere zu überwinden und sich an das polnische Bildungssystem anzupassen. Jedoch stehen die ukrainischen Flüchtlingskinder im Vereinigten Königreich vor einer großen Herausforderung, da die meisten Schulen im Vereinigten Königreich ihre Aufnahmekapazitäten überschreiten, wenn sie neue Schüler aufnehmen. Hinzu kommt, dass die unzureichende Finanzierung des Bildungssektors die Schulen unter großen Druck setzt, was dazu führt, dass Flüchtlingsschüler abgewiesen werden.

Auch internationale Studenten, die an ukrainischen Universitäten studierten und von denen viele aus Afrika, Südasien und dem Nahen Osten stammen, sind Opfer des anhaltenden Krieges. Viele von ihnen konnten ihr Studium nicht abschließen und waren gezwungen, in andere Länder zu fliehen, immer in der Hoffnung, dass sie bald in die Ukraine zurückkehren und ihr Studium beenden können.  Viele dieser ausländischen Studenten hatten große Mühe, Zuflucht zu finden oder zu fliehen. Am drastischsten ist, dass mindestens zwei Gaststudenten in den ersten Tagen des Krieges getötet wurden.   

 

Die Auswirkungen des Krieges auf die postsowjetischen Staaten und auf Russland:

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine haben die Bürger der postsowjetischen Staaten große Angst, dass Putins Kontrolle auch ihre Länder erreicht, insbesondere nachdem der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew ein Bündnisabkommen zwischen Russland und Aserbaidschan unterzeichnete. Das 43-Punkte-Abkommen beinhaltet eine Bildungs- und Wirtschaftsallianz, die die Kontrolle des Putin-Regimes in Aserbaidschan verstärken wird.     So wird beispielsweise die russische Sprache in den Bildungseinrichtungen obligatorisch werden, und zwar in stärkerem Maße, als dies bisher in den postsowjetischen Staaten der Fall war. 

In letzter Zeit hat das russische Bildungsministerium damit begonnen, im Online-Unterricht Propaganda zu verbreiten, um Kinder mit Ideologien zu beeinflussen, die Putins Führung verherrlichen und Russlands Einmarsch in die Ukraine rechtfertigen. In diesen Online-Lektionen wird versucht zu erklären, “warum die Befreiungsmission der Ukraine notwendig war”.  Es besteht ein hohes Risiko, dass dieser Unterricht dazu beiträgt, eine Generation heranzubilden, die zum Krieg aufruft und die Diktatur in Russland unterstützt, was eine Gefahr für die Zukunft der russischen Gesellschaft darstellt.

Gewiss wird der Tag kommen, an dem der Krieg zu Ende sein wird und die Vertriebenen in ihre Heimatländer zurückkehren werden, wo sie ihre Angehörigen zurückgelassen haben, um in anderen Ländern Zuflucht zu suchen. Die Staats- und Regierungschefs werden sich die Hände reichen, um Frieden in der Welt zu schaffen. Doch zu welchem Preis wird das geschehen, wenn schon so viel Schaden angerichtet wurde? Wie Mahmoud Darwish sagt: “Ich weiß nicht, wer unsere Heimat verkauft hat, aber ich habe gesehen, wer den Preis dafür bezahlt hat”.

 

Von Zinat Asadova

Übersetzt von/ translated by Vivien Kretz 

 

Sources;

  1. “The war will end” Poem by Mahmud Darwish
  2. Save the Children. (2022). Ukraine: Attacks on schools endangering children’s lives and futures. Retrieved from https://www.savethechildren.net/news/ukraine-attacks-schools-endangering-children-s-lives-and-futures
  3. UNICEF Europe & Central Asia Region (ECAR). (2022). Ukraine Situation Report – 24 February 2022 (p. 2). Retrieved from https://www.unicef.org/media/116031/file/Ukraine-Humanitarian-SitRep-24-February-2022.pdf
  4. Deutsche Welle (DW). (2022). Poland fights to give Ukrainian kids access to education [Video]. Retrieved from https://www.dw.com/en/poland-fights-to-give-ukrainian-kids-access-to-education/av-61185207#:~:text=About%202%20million%20Ukrainians%20have,Poland’s%20education%20system%20is%20enormous.
  5. Abrams, F. (2022). Ukraine refugees may struggle to find places in English schools, councils say. The Guardian. Retrieved from https://www.theguardian.com/education/2022/mar/05/ukraine-refugees-may-struggle-to-find-places-in-english-schools-councils-say
  6. Fallon, K. (2022). Foreign students fleeing Russia’s war on Ukraine hope to return. Aljazeera.com. Retrieved from https://www.aljazeera.com/news/2022/3/5/they-told-us-to-go-home-student-recounts-ukraine-war
  7. International education’s continuing response to the war in Ukraine. ICEF Monitor – Market intelligence for international student recruitment. (2022). Retrieved from https://monitor.icef.com/2022/03/international-educations-continuing-response-to-the-war-in-ukraine/
  8. Azərbaycan Respublikası Xarici İşlər Nazirliyi. (2022). No:056/22, Azərbaycan Respublikası Xarici İşlər Nazirliyinin Mətbuat xidməti idarəsinin məlumatı (AZ/RU). Retrieved from https://www.mfa.gov.az/az/news/no05622
  9. President of the Republic of Azerbaijan Ilham Aliyev. (2022). Declaration on allied interaction between the Republic of Azerbaijan and the Russian Federation. Retrieved from https://president.az/en/articles/view/55498
  10. Aliyeva, J. (2022). Azerbaijani president notes importance of Russian language. Report News Agency. Retrieved from https://report.az/en/foreign-politics/azerbaijani-president-notes-importance-of-russian-language/
  11. Russia’s Ministry of Education Official Page on Vkontakte. (2022). An Open lesson “Defenders of Peace” (Открытый урок «Защитники мира») [Video]. https://vk.com/video-30558759_456242419?list=8411aa6de207bc39a2